Einleitung

Der Bologna-Prozess
Der mit der Bologna-Erklärung im Jahr 1999 initiierte und zunächst bis 2010 projektierte Bologna-Prozess befindet sich in einer entscheidenden Phase der Umsetzung in den daran beteiligten Ländern. Um die Schaffung eines gemeinsamen Europäischen Hochschulraums zu erreichen, wird der Prozess durch Ministerkonferenzen gesteuert, auf denen alle zwei Jahre die Fortschritte und Schwierigkeiten bei der Verwirklichung der Ziele analysiert und gegebenenfalls neue Prioritäten festgelegt werden. Neben der offiziell eingesetzten Bologna-Follow-up-Gruppe sind auf europäischer Ebene zahlreiche Akteure an der Gestaltung des Bologna-Prozesses beteiligt und tragen zur Umsetzung der Zielvorgaben des Prozesses bei.
Für die Realisierung der Ziele des Bologna-Prozesses sind andererseits die beteiligten Länder verantwortlich. Damit ist für alle Länder eine Reform des Hochschulsystems verbunden, die abhängig von der Ausgangssituation unterschiedlich umfangreich ausfällt und das Zusammenwirken der jeweiligen nationalen Akteure erfordert. Neben der Erläuterung der grundlegenden Ziele des Bologna-Prozesses gilt es unter Berücksichtigung nationaler Strukturen auch Regelungsmechanismen zu entwickeln und zu implementieren, die eine erfolgreiche Umsetzung der Ziele gewährleisten.
Der Bologna-Prozess ist in seiner Grundkonzeption ein bislang einmaliges und einzigartiges europaweites Kooperationsprojekt, besonders hinsichtlich des Umfangs der damit verknüpften Reformen, der teilweise sehr heterogenen Ausgangssituation in den beteiligten Ländern und nicht zuletzt hinsichtlich seiner sich stetig weiterentwickelnden Organisationsstruktur. Aus anfänglich 29 Unterzeichnerstaaten sind inzwischen 45 Partner geworden, die durch die Kulturkonvention des Europarats miteinander verbunden sind.
Die Bundesrepublik Deutschland zählt durch Unterschriften von Vertretern der Bundesregierung und der Bundesländer zu den ursprünglichen 29 Unterzeichnerstaaten der Bologna-Deklaration im Jahr 1999.
Die Russische Föderation ist dem Bologna-Prozess im Jahr 2003 durch Unterzeichnung der Deklaration auf der Konferenz in Berlin beigetreten. Seitdem werden dort auf nationaler Ebene entsprechende Reformschritte eingeleitet sowie in regionalen Initiativen Diskussionen über die Bologna-Ziele angestoßen und erste praktische Umsetzungsstrategien erprobt.
Bei den Akteuren in Hochschulen und Verwaltungen sowohl in der Russischen Föderation als auch in Deutschland und in den übrigen beteiligten Ländern besteht auch heute noch ein erheb­licher Bedarf an Informationen zu den politischen Zielen, Beschlüssen und Aktionslinien sowie den damit verknüpften Begrifflichkeiten des Bologna-Prozesses.
Dies war für die Unterarbeitsgruppe "Bologna" im Rahmen des deutsch-russischen Petersburger Dialogs und für die Herausgeber – die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) für die Druckpublikation und das Ost-West-Wissenschaftszentrum der Universität Kassel für die Online-Version – der Anlass, das vorliegende dreisprachige Glossar zu erstellen.

Das Glossar
Die Reformprozesse in den beteiligten Ländern bringen eine Fülle von Detailinformationen mit sich, die bisweilen die grundlegenden Zielsetzungen des Bologna-Prozesses in den Hintergrund treten lassen. Das vorliegende Glossar enthält deshalb die wichtigsten und am häufigsten verwendeten Begriffe, die die wesentlichen Aspekte des Bologna-Prozesses abdecken, ohne jedoch einen Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben.
Die Auswahl der Begriffe für das Glossar orientiert sich an den zehn Aktionslinien des Bologna-Prozesses. Zwei weitere Katego­rien wurden hinzugefügt: die soziale Dimension des Bologna-Prozesses, die auch in offiziellen Dokumenten häufig als eine allumfassende oder übergreifende Aktionslinie bezeichnet wird, als elfte Kategorie und die Berichterstattung ("Stocktaking") als zwölfte Kategorie. Ein systematisches Verzeichnis der Begriffe und der dazugehörigen Benennungen am Anfang des Glossars gibt Auskunft über die Zuordnung zu den einzelnen Aktionslinien und Kategorien.
Die Definition der Begriffe orientiert sich – wann immer möglich – an einschlägigen Bologna-Dokumenten, die angefangen mit der Bologna-Erklärung aus dem Jahr 1999 im Rahmen des Bologna-Prozesses verabschiedet wurden. Dies sind vor allem die gemeinsamen Kommuniqués der Ministerinnen und Minister aus den Bologna-Nachfolgekonferenzen in Prag (2001), Berlin (2003) und Bergen (2005). Hinzu kommen weitere zentrale Dokumente, die entweder vor, wie zum Beispiel die Lissabon-Konvention von 1997, oder während, wie zum Beispiel die "Standards and Guidelines for Quality Assurance in the European Higher Education Area", des Bologna-Prozesses erarbeitet und verabschiedet wurden.
Eine Reihe der im Rahmen des Bologna-Prozesses verwendeten Begriffe ist nicht explizit in den offiziellen Dokumenten definiert. Dennoch haben diese Begriffe, wie zum Beispiel Qualitäts­sicherung und Akkreditierung, im Zusammenhang mit dem Bologna-Prozess eine spezifische Bedeutung. Die Definitionen in dem Glossar geben dann auf der Grundlage weiterer Quellen aus dem europäischen Kontext diese Bedeutung wieder.
Die in dem Glossar präsentierten "nationalen“ Erläuterungen der Begriffe greifen die eher allgemein gehaltenen und in englischer Sprache verfassten Definitionen auf und beschreiben ihre Be­deutung in dem jeweiligen nationalen Kontext in Deutschland und in der Russischen Föderation. Diese Erläuterungen sind bewusst in der jeweiligen Landessprache verfasst, so dass das Glossar ohne sprachliche Einschränkungen als Informations­instrument für alle am Bologna-Prozess Beteiligten und Interessierten in Deutschland und in der Russischen Föderation dienen kann. Die Definitionen geben die Ansicht der Autorinnen und Autoren wieder und stimmen nicht unbedingt immer mit den Ansichten des Herausgebers überein.
Im Zuge der Erarbeitung des Glossars wurde sowohl den Projekt­verantwortlichen als auch den an der Erarbeitung der nationalen Definitionen beteiligten deutschen und russischen Expertinnen und Experten klar, dass sich ein optimaler Informationsumfang zu den internationalen und nationalen Aspekten des Bologna-Prozesses in der Gesamtschau der drei nach Sprachen geglie­derten Teile ergibt. In der vorliegenden Fassung erschließt sich dieser Informationsumfang lediglich denjenigen, die über Kennt­nisse der drei Sprachen des Glossars verfügen. Eine Änderung des ursprünglichen Konzepts und eine Übertragung der jewei­ligen nationalen Kontexte in die jeweils andere oder auch nur in die englische Sprache waren aufgrund der zeitlichen und finan­ziellen Rahmenbedingungen hier nicht möglich, wären aber für künftige Fassungen durchaus denkbar.
Die Verantwortlichen und die Autorinnen und Autoren sind der festen Überzeugung, dass das Glossar auch in der ursprünglich geplanten und nun realisierten Form ein Instrument darstellt, das eine Reihe wichtiger Informationen erschließt:
1. Die Definitionen in englischer Sprache geben den aktuellen Stand des konzeptionellen Fundaments des Bologna-Prozesses mit Hinweisen zu den grundlegenden Dokumenten.
2. Die Definitionen in deutscher und in russischer Sprache beschreiben neben der inhaltlichen Bedeutung der Begriffe auch den nationalen Kontext, das heißt den jeweiligen Stand der Diskussion über die Inhalte und gegebenenfalls auch über die Umsetzung der damit verbundenen Bologna-Ziele.
In Ergänzung zu der hier vorliegenden Online-Version ist eine Druckpublikation mit dem Titel "Glossary on the Bologna Process English – German – Russian" verfügbar, die von der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) als Band 7/2006 in der Reihe "Beiträge zur Hochschulpolitik" herausgegeben worden ist (Bestellmöglichkeit unter URL: http://www.hrk.de/de/berichte_und_publikationen/131.php).

 

 

 

 

 
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