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Transfer und Akkumulation von Leistungspunkten

Unter Transfer ist im Hochschulbereich eine Übertragung von Ergebnissen von einem System auf ein anderes oder von einer Institution auf eine andere oder letztlich auch von einem Studien­gang auf einen anderen zu verstehen. Hilfsmittel des Transfers sind Leistungspunkte (↑Leistungspunktsystem), die Auskunft darüber geben, wie hoch die ↑Arbeitsbelastung des Studierenden planmäßig war, um die erforderlichen ↑Lernergebnisse zu er­zielen. Leistungspunkte für ein Transfersystem bewirken, dass den Studierenden für Leistungen, die sie an anderen Bildungs­institutionen erbracht haben, vorher festgelegte Leistungspunkte in der Heimathochschule "gutgeschrieben", das heißt als gleich­wertig zu den in der Heimathochschule geforderten Leistungen anerkannt werden. Die Leistungspunkte erfüllen hierbei die Funktion des Transfers der akademischen Leistung. Die Entwicklung des ↑ECTS als Akkumulationssystem setzt voraus, dass die Arbeitsbelastung der Studierenden mit den Lernergebnissen in Verbindung gebracht wird, da die Leistungs­punkte allein aufgrund ihrer Relativität im Zusammenhang mit Studiengängen keine ausreichende Aussagekraft für eine Ver­gleichbarkeit vermitteln können. Leistungspunkte bedeuten für ein Akkumulationssystem, dass
dem Studierenden für jede erbrachte Leistung seines Studien­gangs Leistungspunkte "gutgeschrieben" werden, sobald er die Leistung erfolgreich abgeschlossen hat, unabhängig vom Ort
der Leistungserbringung. Ein wesentlicher Unterschied zum Transfersystem liegt darin, dass unabhängig vom Lernort das gesamte Studium bis hin zum akademischen Abschluss unter Beachtung der Arbeitsbelastung aufgebaut ist. Der Lernende erhält Leistungspunkte für jede Leistung, die er erfolgreich erzielt hat. Diese werden in seine ↑Abschrift der Studiendaten (ECTS) übernommen und führen mit den dokumentierten Lernergebnis­sen zu dem Erwerb des jeweiligen Abschlusses. Eine Klassifi­zierung (Taxonomie) der Lernergebnisse ist vorauszusetzen, und die Formulierungen müssen allgemein verstanden und akzeptiert werden können. Als Akkumulationssystem unterstützt ECTS eine breit angelegte Studienreform nationaler Systeme mit vielfältigen Vorteilen, die zusätzlich zu der internationalen auch eine hochschul- und landesinterne ↑Mobilität ermöglichen. Es ist zugleich eine entscheidende Voraussetzung für die Umsetzung des Konzepts des ↑lebensbegleitenden Lernens. Indem berufsqualifizierende Abschlüsse mit einer definierten Anzahl von Leistungspunkten festgelegt sind, können Ein- und Ausstieg in und aus dem System zu individuellen Zeitpunkten erfolgen. Dabei werden nicht nur die Leistungspunkte verrechnet, die in formalen Lernstrukturen erworben wurden, sondern auch die, die durch die Akkreditierung von nicht-formalen und informellen Lernprozessen entstanden sind (↑formales, nicht-formales, informelles Lernen). Das dazu erforderliche Referenz-Rahmenwerk bildet das ECTS für formale Lernstrukturen und entwickelt es weiter zu einem Qualifikations­rahmenwerk. ECTS wird heute als Transfer- und Akkumulationssystem ver­standen. Dabei geht es darum, den Transfer und die Akkumu­lation von Leistungspunkten zu ermöglichen, unabhängig, ob partnerschaftliche Vereinbarungen zwischen Hochschulen bestehen, das heißt, das System strebt eine Allgemeinverbind­lichkeit und Allgemeingültigkeit an, ganz so, wie sich die Ein­führung einer Währung in einem Wirtschaftssystem auswirkt. Auch hier gelten die Prinzipien: -  Allgemeines Vertrauen, -  Recheneinheit, -  Anerkennung. Die gemeinsame Parität ist die jährliche Arbeitsbelastung, ausgedrückt in 60 Leistungspunkten. Diese Transparenz und Vergleichbarkeit erstreckt sich aber nicht nur auf die Studien­möglichkeiten, sondern auch auf die Studienabschlüsse und
somit auf die akademischen Grade. Besonders durch das Instru­ment des ↑Diploma Supplements wird die Vergleichbarkeit und ↑Anerkennung von Bildungsabschlüssen erleichtert. In Deutschland ist ECTS als Transfer- und Akkumulationssystem eingeführt und bildet eine der Voraussetzungen, die für eine er­folgreiche ↑Akkreditierung notwendig sind. Das Transfersystem ist häufig im Rahmen der Europäischen Mobilitätsprogramme,
an denen die entsprechenden Hochschulen teilnehmen, entwickelt worden. Bei der Weiterentwicklung steht insbesondere die Beziehung zwischen den Lernergebnissen und den Leistungs­punkten im Vordergrund.
VG
 
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