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Qualifikationsrahmen

Die Grundlage des Europäischen Qualifikationsrahmens bildet die Beschreibung der ↑Kompetenzen, die der Lernende am Ende der jeweiligen Stufen (↑Bachelor, ↑Master, ↑Promotionsphase) unter Beachtung folgender Kriterien nachweisbar erreicht haben soll: ↑Lernergebnisse, Profil, Niveaustufen, ↑Module/Modula­risierung, ↑Arbeitsbelastung/Leistungspunkte und Qualität/
↑Qualitätssicherung.[1] Der Qualifikationsrahmen ist direkt
mit den Hauptzielen des ↑Bologna-Prozesses verbunden: Internationale Transparenz, akademische ↑Anerkennung und ↑Mobilität. Er macht die Beziehungen zu den und zwischen den nationalen Qualifikationsrahmen transparent und ist insofern ein Referenzmodell zwischen den nationalen Rahmenwerken. Der Europäische Qualifikationsrahmen soll zum Erreichen der vier Hauptziele der Hochschulbildung beitragen: -  Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt, -  Vorbereitung auf das Leben als aktiver Bürger in einer demokratischen Gesellschaft, -  Persönliche Entwicklung, -  Entwicklung und nachhaltige Sicherung einer breiten,
auf hohem Niveau befindlichen Wissensbasis. Neben der Qualitätssicherung und der akademischen Anerken­nung gehört die Entwicklung der nationalen Qualifikations­rahmen zu den Prioritäten der nächsten Bologna-Konferenz in London im Jahr 2007. Der deutsche Qualifikationsrahmen gliedert die Kompetenzen nach Wissen und Können.[2] Die Wissenskomponente wird nach Wissensverbreiterung und Wissensvertiefung unterteilt, das Können in die Gruppe der Wissenserschließung, die instrumen­tale, kommunikative und systemische Kompetenzen unter­scheidet. Auf der Stufe des Bachelor ist zum Beispiel unter Wissensverbreiterung dokumentiert, dass ein Absolvent ein breites und integriertes Wissen und Verstehen der wissenschaft­lichen Grundlagen des entsprechenden Lehrgebiets nachgewiesen hat. Durch Wissensvertiefung verfügt der Bachelorabsolvent über ein kritisches Verständnis der wichtigsten Theorien, Prinzipien und Methoden des Studienprogramms und ist in der Lage, das Wissen vertikal, horizontal und lateral zu vertiefen. Das Wissen und Verstehen entspricht dem Stand der Fachliteratur, sollte aber zugleich einige vertiefte Wissensbestände aus dem aktuellen Stand der Forschung in dem Lehrgebiet mit einschließen. Als Wissenserschließung hat der Absolvent als instrumentale Kompetenz nachgewiesen, dass er Wissen und Verstehen auf die Tätigkeit oder den Beruf anwenden und Problemlösungen und Argumente in dem Fachgebiet erarbeiten und weiterentwickeln kann. Als systemische Kompetenz kann er relevante Informa­tionen sammeln, bewerten und interpretieren sowie daraus wissenschaftlich fundierte Urteile ableiten, dabei gesellschaft­liche, wissenschaftliche und ethische Erkenntnisse berück­sichtigen und selbständig weiterführende Lernprozesse gestalten. Als kommunikative Kompetenz kann er fachbezogene Positionen und Problemlösungen formulieren und argumentativ verteidigen, sich mit Fachvertretern und mit Laien über Informationen, Ideen, Probleme und Lösungen austauschen sowie Verantwortung in einem Team übernehmen. Entsprechende Ausführungen können dem nationalen Qualifi­kationsrahmen für die Stufen Master und Promotionsphase entnommen werden. Sie bilden die Grundlage für die institu­tionellen oder auch disziplinorientierten Qualifikationsrahmen, die Hochschulen erstellen, um entsprechende Lernergebnisse in den Modulen der Studienprogramme zu beschreiben. Diese Arbeit ist zur Zeit an deutschen Hochschulen zu leisten. Durch ↑Akkreditierung und ↑Evaluation erfolgt ein gewisser Druck,
um diese Beschreibungen abzuschließen. Es ist damit zu rechnen, dass aufgrund der Initiativen der Europäischen Kommission auch im Rahmen des Bologna-Prozesses dieser bisher auf den Hochschulbereich begrenzte Qualifikationsrahmen auf alle Stufen des Lernens, einschließlich der Aus- und Weiterbildung, ausgedehnt wird. In Dänemark, England und Wales, Schottland und Irland sind solche Qualifikationsrahmen bereits entwickelt worden. In der Bundesrepublik Deutschland etabliert sich zur Zeit eine Arbeits­gruppe. Darüber hinaus gibt es bereits seit längerem einen rein fachbezogenen Qualifikationsrahmen, das Europäische Sprachen­rahmenwerk, das alle Lernstufen einer Fremdsprache, vom Anfang (A1) bis zu einem sehr hohem Niveau (fast Mutter­sprachler, C2) beschreibt. Im Unterschied zu den anderen Rahmenwerken enthält dieses Rahmenwerk jedoch keine Angabe zu den erreichten Leistungspunkte (↑Leistungspunktsystem).
TNM, VG

[1] Vgl. Qualifications.

[2] Vgl. Qualifikationsrahmen für Deutsche Hochschulabschlüsse, im
Zusammenwirken von Hochschulrektorenkonferenz, Kultusministerkonferenz
und Bundesministerium für Bildung und Forschung erarbeitet und von der
Kultusministerkonferenz am 21.4.2005 beschlossen; URL: http://www.kmk.org/
doc/beschl/BS_050421_Qualifikationsrahmen_AS_Ka.pdf
(3.5.2006).

 
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