A B C D E F G K L M P Q R S T 

Mobilität

Ein Hauptziel des ↑Bologna-Prozesses ist neben der Mobilität der Lehrenden, Forschenden und des Verwaltungspersonals der Hochschulen eine deutliche Erhöhung der Auslandsmobilität von Studierenden im Rahmen von ↑Bachelor- und ↑Master-Studien­gängen und in der ↑Promotionsphase. Mobilität wird darüber hinaus durch die Möglichkeit, die drei Phasen an unterschied­lichen Lernorten zu absolvieren, gefördert. In diesem Prozess spielt nicht nur die Studienstruktur, sondern vor allem die Praxis der ↑Anerkennung und die transparente Darstellung der Studien­angebote und der erworbenen ↑Kompetenzen eine wichtige Rolle. Wie in den anderen Bologna-Staaten wird auch in Deutschland versucht, in den Verfahren der Anerkennung von Studienab­schnitten und Studienabschlüssen stärker auf die Vergleichbarkeit von ↑Lernergebnissen beziehungsweise Kompetenzen und weniger auf die Identität von Inhalten zu setzen. Dazu hat der Bologna-Prozess über die existierenden Instrumente hinaus,
die lange vor dem Bologna-Prozess schon im Rahmen der ERASMUS- und anderer EU-Programme genutzt wurden (↑ECTS-Lernvereinbarung; ↑Abschrift der Studiendaten (ECTS)), dem ↑ECTS und dem ↑Diploma Supplement zu
einer weiteren Verbreitung verholfen. Im Rahmen der so genannten Europass-Initiative existiert neben dem Diploma Supplement ein so genannter "Europass Mobilität", in dem Inhalte, Ziel und Dauer eines Auslandsaufenthaltes ver­zeichnet sind. Ansprechpartner für den Europass in Deutschland ist die InWEnt gGmbH in Bonn, die als Nationales Europass Center (NEC) in ein europäisches Netzwerk eingebunden ist.[1] Eine Verankerung von festen Mobilitätsfenstern in den Bachelor- und Master-Programmen, wo ein Auslandsaufenthalt zum Bei­spiel im fünften Semester des Bachelor-Studiengangs verbindlich vorgesehen ist, stellt für viele Hochschulen in Deutschland noch eine besondere Herausforderung dar. Vielfach wird befürchtet, dass bei den kurzen und kompakten Studiengängen die Auslands­mobilität rückläufig sein könnte. Es ist andererseits zu erwarten, dass die internationale Mobilität am Übergang zur Master- beziehungsweise Promotionsphase steigen wird. Inwieweit negative Aspekte des so genannten "Brain Drains" innerhalb
von Europa zu befürchten sind, ist gegenwärtig nicht absehbar. Weiterer Handlungsbedarf besteht in der Verbesserung der Mobi­lität von Lehrenden und Forschenden sowie in der anstehenden Ratifizierung und Operationalisierung der ↑Lissabon-Konvention. Die "European Mobility Charter" der EU-Kommission greift wesentliche Mobilitätshindernisse auf und schlägt einheitliche Mindeststandards für die Beschäftigung von Lehrenden und Forschenden vor.[2] Als Instrumente zur Förderung der Mobilität werden in Deutschland vor allem folgende Maßnahmen diskutiert: -  Integration von Auslandsphasen in die Curricula der Studienprogramme, -  bessere finanzielle Unterstützung der mobilen Studierenden, -  gute Beratung und Betreuung mobilitätswilliger und mobiler Studierender, inklusive Informationsmaterialien im Internet
und in englischer Sprache, Hilfe bei Visaanträgen, Suche nach preisgünstigen Unterkünften etc., -  fremdsprachige Studienangebote, -  zusätzliche Zertifizierung des Auslandsaufenthaltes, -  Vergabe von Praxis-Leistungspunkten für Praktika, die auch
in den Semesterferien stattfinden können, -  Angebote von Sprachkursen und Vergabe von Leistungs­punkten dafür sowie -  kürzere, begleitete "Kennenlern"-Aufenthalte, zum Beispiel
im Rahmen von Exkursionen. Zur Schaffung des ↑Europäischen Hochschulraums (EHR) mit hoher Mobilität sind Absprachen auf europäischer Ebene von zentraler Bedeutung. Dies betrifft sowohl die Studienstufen und Inhalte (↑Tuning-Projekt, fachspezifische ↑Qualifikationsrahmen) als auch die formale Zuordnung der Abschlüsse in den einzelnen Staaten. Darüber hinaus wird durch die zunehmende und korrekte Anwendung von ECTS und Diploma Supplement eine wesent­liche Erleichterung der Anerkennung und dadurch der Mobilität erwartet.
EB, AF

[1] Vgl. URL: http://www.inwent.org/ (20.5.2006).

 
© Ost-West-Wissenschaftszentrum