A B C D E F G K L M P Q R S T 

Gemeinsame Abschlüsse/Doppelabschlüsse

Gemeinsame Abschlüsse/Doppelabschlüsse werden nach dem erfolgreichen Abschluss von Studiengängen verliehen, die gemeinsam von Hochschulen aus verschiedenen Ländern angeboten werden. Im Rahmen des ↑Bologna-Prozesses entwickeln sich solche Abschlüsse immer mehr zu einem wichtigen Element des ↑Europäischen Hochschulraums (EHR). Die europäischen Minister haben sich im Prag-Kommuniqué (2001) und im Berlin-Kommuniqué (2003) ausdrücklich für die Schaffung solcher Studienprogramme ausgesprochen. In Deutschland haben gemeinsame Studienprogramme im Rahmen der Förderung Integrierter binationaler Studiengänge
mit Doppeldiplom durch den Deutschen Akademischen Aus­tauschdienst (DAAD) und des Programms "Erasmus Curriculum Development" der Europäischen Union (EU) sowie vor allem in der deutsch-französischen Zusammenarbeit Tradition. Auf der Ebene der ↑Promotionsphase gibt es zwischen Deutschland
und Frankreich Vereinbarungen über binationale Promotions­verfahren, die so genannten "Cotutelle"-Verfahren, die in Vereinbarungen auf Hochschulebene konkretisiert werden.[1]
Die Europäische Union unterstützt die Idee der gemeinsamen Abschlüsse auch in der Zusammenarbeit mit Drittstaaten durch das Programm "Erasmus Mundus", mit dem herausragende europäische ↑Master-Programme gefördert werden, die von mindestens drei Hochschulen in verschiedenen Ländern angeboten werden.[2] Es gibt eine Vielzahl verschiedener Formen und Grade der Zusammenarbeit in einem gemeinsamen Studienprogramm. Angesichts der Umstellung auf ↑Bachelor und Master, der damit verbundenen stärkeren Strukturierung der Studienprogramme und der notwendigen ↑Akkreditierung ist eine intensive Abstimmung zwischen den beteiligten Hochschulen erforderlich. Insbesondere im Bereich der Akkreditierung sind sich die europäischen Bil­dungsminister über den Bedarf an verstärkter und verbesserter internationaler Kooperation einig. In Deutschland ist zwar die Verleihung gemeinsamer Abschlüsse auf nationaler Ebene auf der Basis einer Ausnahmeregelung im Hochschulrahmengesetz (HRG) möglich, die rechtlichen Rahmenbedingungen und vor allem die Genehmigungspraxis von gemeinsamen Abschlüssen
ist in den meisten Bundesländern bisher jedoch nicht eindeutig geregelt, so dass der Appell im Bergen-Kommuniqué (2005) auch für Deutschland relevant ist.[3] Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) hat im Februar 2005
für die deutschen Hochschulen Empfehlungen zur Entwicklung gemeinsamer Abschlüsse verabschiedet, die die europäischen Erfahrungen berücksichtigen.[4] Dabei hat sie sich auch auf die Empfehlungen des Europarats zur Anerkennung von Gemein­samen Abschlüssen bezogen, die im Juni 2004 als Anhang in die ↑Lissabon-Konvention aufgenommen wurden.[5]
EB, AF

[1] Vgl. das Informationsangebot der Hochschulrektorenkonferenz: URL: http://www.hrk.de/de/service_fuer_hochschulmitglieder/156.php (4.5.2006).

[2] Vgl. das Informationsangebot der Europäischen Kommission: URL: http://ec.europa.eu/education/programmes/mundus/index_de.html (4.5.2006).

[3] Vgl. Bergen, S. 3.

[4] Vgl. Empfehlungen der HRK zur Entwicklung von Doppeldiplomen und
gemeinsamen Abschlüssen (1), Entschließung des Senats der HRK vom
15.2.2005; URL: http://www.hrk.de/de/beschluesse/109_2459.php?datum=
100.+HRK-Senat+am+15.2.2005
(4.5.2006).

[5] Vgl. Recommendation on the recognition of joint degrees, The Committee
of the Convention on the Recognition of Qualifications concerning Higher
Education in the European Region, June 2004
; URL: http://www.enic-naric.net/
documents/Recommendation-joint-degrees-2004.en.pdf
(4.5.2006).

 
© Ost-West-Wissenschaftszentrum