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Promotionsphase

Die Promotionsphase wurde bei der Berlin-Konferenz (2003) als dritte Stufe in den ↑Bologna-Prozess einbezogen. In Deutschland bleibt die eigenständige wissenschaftliche Leistung der Kern der Promotion. So wird die Promotion von den Universitäten über­wiegend als die erste Phase einer wissenschaftlichen Tätigkeit und weniger als eine dritte Phase des Studiums verstanden. Seit mehreren Jahren wird unter dem Stichwort ↑Qualitätssicherung eine Diskussion um strukturelle Veränderungen in der Promo­tionsphase geführt. Die europäische Debatte um den "third cycle" im Bologna-Prozess gibt weitere Impulse für die nationale Reformdiskussion und regt die Hochschulen verstärkt dazu an, die Promotionsphase als ein hochschulweites Gesamtkonzept
neu zu denken und ihr eine höhere Priorität zu geben. Die Ausgestaltung der Promotionsphase liegt in Deutschland in der Verantwortung der Fakultät bzw. des Fachbereichs. Die Doktorgrade werden je nach Bestimmungen des Landesrechts von den Universitäten und gleichgestellten Hochschulen oder auch von den Fakultäten bzw. Fachbereichen, die das Promo­tionsrecht haben, verliehen. Die Universitätsabsolventen sind grundsätzlich zur Bewerbung für eine Promotion berechtigt. Auch besonders qualifizierte Diplom-Fachhochschulabsolventen können unmittelbar, das heißt ohne vorher den universitären Abschluss erwerben zu müssen, im Wege eines Eignungsfest­stellungsverfahrens zur Promotion zugelassen werden. Die Einführung der ↑gestuften Studien- und Abschlussstruktur (↑Bachelor- und ↑Master-Studiengänge) eröffnet den Master-Absolventen, unabhängig vom Hochschultyp, an dem der
Master-Grad erworben wurde, den Zugang zur Promotion. Inhaber eines Bachelor-Grades können auch unmittelbar im
Zuge eines Eignungsfeststellungsverfahrens zur Promotion zugelassen werden. Die Promotionsphase verläuft in Deutschland bisher überwiegend in einem individuellen Verfahren zwischen dem Doktoranden und seinem Doktorvater und dauert je nach Fach 3-5 Jahre. Es gibt Bemühungen, spezifische curriculare Elemente (zum Bei­spiel Schlüsselqualifikationen) zu etablieren sowie systematische Formen der Betreuung, transparente Auswahlverfahren und eine bessere Planbarkeit für die Promotionsphase zu erreichen. Dies erfolgt vor allem im Rahmen von Graduiertenkollegs und Pro­motionsstudiengängen, die mit externen Mitteln (etwa durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) oder durch Programme der Bundesländer) gefördert werden. Die Weiterentwicklung und mögliche stärkere Strukturierung der Promotionsphase wird gegenwärtig im Kontext der internationalen Erfahrungen und der so genannten nationalen Exzellenzinitiative intensiv diskutiert.[1]
EB, AF

[1] Die aktuellen Diskussionsbeiträge können den Ergebnissen der Tagung
"Quo vadis Promotion? Doktorandenausbildung in Deutschland im Spiegel
internationaler Erfahrungen" entnommen werden unter URL:
http://www.hrk.de/de/hrk_auf_einen_blick/121_3182.php (15.8.2006).

 
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